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Ästhetisch mit farbigen Gläsern - Teil 1

Als ansprechendes Entrée der Innenstadt und als Drehscheibe des öffentlichen Personennahverkehrs für rund 40.000 Fahrgäste täglich präsentiert sich der neue zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) in Esslingen, der Mitte November 2014 in Betrieb genommen worden ist. Drei Bussteige mit insgesamt 18 Bushaltestellen liegen in unmittelbarer Nähe der Zugänge zur S-Bahn und Regionalbahn, sodass sich die Umsteigewege zwischen Bus und Bahn sowie zwischen den Buslinien deutlich verkürzen. Ein klar gegliedertes Ensemble aus Bahnhof und Vorplatz hat die ganze Nachkriegstristesse der Gegend abgelöst. Zudem verschmelzen Bahnhofsgebäude und Innenstadt durch die veränderte Trassenführung der Ringstraße zu einer Einheit. Die neu gestaltete Unterführung vereinfacht das Unterqueren für die Fußgänger. Und 147 Fahrräder haben Platz in der unterirdischen Radabstellanlage „Pedales“. Für Daniel Fluhrer, Leiter des Stadtplanungs- und Stadtmessungsamts Esslingen, gilt der neue ZOB als eindrucksvolles Beispiel wie man mit durchdachten Baumaßnahmen das historische Erbe bzw. die von unseren Vorfahren geschaffenen Werte behutsam weiterentwickeln kann, um so die Zukunftsabhängigkeit ebenso wie eine attraktive und authentische Stadtqualität zu sichern.

Garantiert Anspruchsvoll

Elegant wirkt das leicht geschwungene Dach, das sich behutsam und harmonisch in das Stadtbild einfügt und zugleich das bestehende Bahnhofsgebäude betont. Insgesamt 1.300 Glaselemente schützen vor Wind und Wetter, lenken tagsüber aber auch ausreichend Licht auf die Bussteige. Der Umsetzung des Glasdachs ging ein im Jahr 2011 ausgelobter Architektenwettbewerb voraus, den das Stuttgarter Büro Sobek gewonnen hat. Mit dem Bau wollte Professor Werner Sobek einen leichten, charmanten, aber gleichzeitig zurückhaltenden Beitrag zur Weiterentwicklung der Stadt Esslingen leisten. Architektonisch deutlich aufgewertet präsentiert sich nun der am Esslinger Bahnhof gelegene Busbahnhof durch die neue Überdachung in seiner städtebaulichen Erscheinungsform. Für das geschwungene Dach hat sich Werner Sobek von der Topographie der umliegenden Landschaft inspirieren lassen. Durch Aufwölbungen an den Längsseiten öffnet sich der überdeckte Bereich nach Süden hin zum Zollberg und nach Norden zu den Weinbergen. Das 60m lange und bis zu 24m breite Dachtragewerk ruht auf 37 bis zu 8m hohen Stahlstützen. An deren Auslegung waren hohe Anforderungen gestellt, denn trotz filigraner Gestaltung müssen die Stahlträger das Touchieren durch einen Bus aushalten. Auch andere Herausforderungen waren zu meistern. Und das Thema Nachhaltigkeit spielte ebenso eine Rolle: Beispielsweise gelangt das Regenwasser vom Dach in eine Zisterne von der aus die öffentliche Toilettenanlage auf dem Bahnhofsvorplatz mit Wasser versorgt wird. Dabei unterstützt seine leichte Wellenstruktur den Abfluss von Regenwasser und damit auch die Selbstreinigung des Dachs – gleichzeitig trägt diese Form wesentlich zum Charme der Konstruktion bei. Für Werner Sobek ist es die große Herausforderung unserer Zeit, nachhaltig und gleichzeitig atemberaubend schön zu bauen. Gerade die Gestaltung des öffentlichen Raums gilt als besonders wichtiger Beitrag zur Baukultur, der ernst genommen werden muss. Funktionalität und Gestaltung gehören daher immer eng zusammen.

Ursula Sander

Copyright Foto: LDE Belzner Holmes - Fotograf: Sebastian Kolm (zwei k. fotografen)

Zentraler Omnibusbahnhof Esslingen